
Die FMH Ärztestatistik 2023 zeigt: Die Zahl der Ärzte und Ärztinnen in der Schweiz nimmt zwar kontinuierlich zu, gleichzeitig sinkt jedoch das durchschnittliche Arbeitspensum. Im Ergebnis stehen damit pro 1.000 Einwohner nur 3,9 Mediziner/innen zur Verfügung. Besonders knapp fällt die Ärztedichte bei den Hausärzten/-innen aus.
Wo die Schweizer Ärzte/-innen arbeiten
Die FMH Ärztestatistik gilt als eine der wichtigsten Datengrundlagen für die demographische Zusammensetzung der Schweizer Ärzteschaft. Der Bericht erfasst unter anderem Merkmale wie Geschlecht, Alter, Nationalität und Herkunft sowie die Fachbereiche, in denen Ärzte/-innen tätig sind. Die FMH veröffentlicht diese statistischen Daten jährlich.
Aus der aktuellen Erhebung wird ersichtlich: Im Jahr 2022 waren in der Schweiz insgesamt 40’002 Ärzte/-innen tätig. Das sind 4’677 mehr als noch im Jahr 2015 und 780 mehr als im Vorjahr. Der Frauenanteil liegt bei 46 Prozent, 54 Prozent sind Männer.
Die FMH Ärztestatistik betrachtet auch, wo die Mediziner/innen arbeiten. 21’440 oder 53,6 Prozent von ihnen sind im Praxissektor tätig, 17’922 oder 44,8 Prozent im Spitalsektor. 640 Ärzte/-innen arbeiten in anderen Sektoren, etwa bei Versicherungen, in der Verwaltung oder der Industrie. Der Frauenanteil im Spitalsektor liegt bei 49 Prozent, im Praxissektor bei 44 Prozent. 45 Prozent der Mediziner/innen im Praxissektor arbeiten in Einzelpraxen, 55 Prozent in Doppel- und Gruppenpraxen.
Das am häufigsten vertretene Fachgebiet ist die Innere Medizin mit 22 Prozent der berufstätigen Ärzte/-innen. Auf Platz zwei liegt die Psychiatrie und Psychotherapie mit zehn Prozent, gefolgt von der Kinder- und Jugendmedizin sowie der Gynäkologie und Geburtshilfe mit jeweils fünf Prozent.
Die Gynäkologie und Geburtshilfe weist mit 68 Prozent auch den grössten Frauenanteil auf, gleichauf mit der Kinder- und Jugendmedizin, gefolgt von der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 67 Prozent. Besonders viele Männer sind in den chirurgischen Fachgebieten tätig. In der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie liegt der Männeranteil sogar bei 92 Prozent, in der Orthopädischen Chirurgie bei 88 Prozent und in der Thoraxchirurgie bei 85 Prozent.
Nur 0,8 Hausärzte/-innen auf 1’000 Personen
Die Schweiz kommt auf eine Ärztedichte von 4,6 Mediziner/innen pro 1’000 Einwohner/innen. Zum Vergleich: Die Nachbarländer Österreich (5,4), Deutschland (4,5), Italien (4,0) und Frankreich (3,2) weisen ähnliche Werte auf. Betrachtet man allerdings nur die Vollzeitstellen, liegt die Ärztedichte wesentlich niedriger, nämlich nur noch bei 3,9 pro 1’000 Einwohner/innen. Bei den ambulant tätigen Hausärzten/-innen kommen sogar nur 0,8 Mediziner/innen auf 1’000 Personen. Die Hausarztdichte liegt damit unter dem empfohlenen Wert von 1,0.
Für den Mangel an verfügbaren Ärzten/-innen ist unter anderem die Tatsache verantwortlich, dass viele Mediziner/innen ihre Arbeitspensen reduziert haben. Vor zehn Jahren lag das durchschnittliche Arbeitspensum in der Ärzteschaft noch bei 49,3 Stunden in der Woche. Im Jahr 2022 arbeiteten Ärzte/-innen im Schnitt nur noch 47,7 Stunden pro Woche.
Steigendes Durchschnittsalter der Ärzteschaft
Die Ärztedichte könnte in den kommenden Jahren noch weiter abnehmen, denn das Durchschnittsalter der Ärzteschaft steigt. Laut FMH-Auswertung lag es 2022 bei 50,0 Jahren. Ärztinnen sind im Schnitt 46,6 Jahre alt, Ärzte 52,8 Jahre. Mediziner/innen, die im Praxissektor arbeiten, sind im Mittel rund zehn Jahre älter als Spitalärzte/-innen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 54,5 gegenüber 44,3 Jahren.
Jede/r zweite in der Schweiz tätige Arzt/Ärztin ist älter als 50, jede/r Vierte sogar älter als 60 Jahre und steht damit kurz vor der Pension. Ein steigendes Durchschnittsalter bei sinkenden Arbeitszeitpensen bedeutet, dass für jede/n Arzt/Ärztin, der/die in Rente geht, mehr als nur ein/e Nachfolger/in benötigt wird.
Grosse Abhängigkeit von Ärzten/-innen aus dem Ausland
Sorgen bereitet der FMH noch ein weiterer Punkt: Um die aktuelle Versorgungsqualität aufrechtzuerhalten, ist die Schweiz auf Ärzte/-innen aus dem Ausland angewiesen. Laut der Ärztestatistik stammen fast 40 Prozent der berufstätigen Mediziner/innen in der Schweiz aus dem Ausland (15.783). Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil um 1,1 Prozent gestiegen.
Die meisten Ärzte/-innen mit ausländischen Diplomen kommen aus dem Nachbarland Deutschland (20,1 Prozent). 3,7 Prozent kommen aus Italien, 2,9 Prozent aus Frankreich und 2,4 Prozent aus Österreich.